‚Kristallnacht‘ 1938

Das Ende der Juden in Bad Bentheim

judenfriedhof2Während der Machtsergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 gab es etwa 40 Juden in Bad Bentheim. Zum größten Teil ältere Menschen. In den ersten fünf Jahren des Nazi-Regimes war das Leben der Juden schon immer schwieriger geworden, wegen Diskriminierung, Berufsverboten und Ausschlüssen aus Berufsverbänden und Schulen. Die Hälfte der Juden hatte daher bereits Deutschland verlassen, als in der Nacht vom 9 am 10. November 1938 die Situation außer Kontrolle geriet: Überall in Deutschland wurden durch die SA (der „Mob“ der Nazis) Synagogen in Brand gesteckt, jüdische Besitztümer zerstört und Menschen gefoltert und getötet. Der Polizei und der Feuerwehr war befohlen worden, nicht zu intervenieren.

In dieser Nacht in Bad Bentheim, marschierte eine Gruppe von vor allem älteren, halb betrunken SA-Männern von der Stadtmitte aus, zu dem zur Synagoge umgebauten Haus in der Wilhelmstraße.
Der Synagoge wurde völlig verwüstet und das Gebäude selbst nur deshalb nicht in Brand gesteckt, weil angesichts der dichten Bebauung die Gefahr eines Großfeuers bestand. Einen Tag später setzten Schüler das Zerstörungswerk fort und schleppten das zerschlagene Inventar ins Freie. Einem Anwohner gelang es dabei, die herumliegenden Ritualgegenstände in Sicherheit zu bringen. 1949 wurden diese der Jüdischen Gemeinde Hannover übergeben.bentheim-synagogenstiege2

Dann zog die Gruppe zum Haus von Egon Neter, dem Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Die Familie Neeter hatte bereits seit dem 17. Jahrhundert in Bentheim gelebt, und Egon und sein Bruder hatten ein Geschäft in der Wilhelmstraße. Er hatte im ersten Weltkrieg einen Arm verloren und war Träger des das Eiserne Kreuzes als Kriegsverletzter.

Durch lautes Schreien wurde er aufgeweckt. Als er die SA Männer sah, erkannte er einen von ihnen, und rief: „Johann, du kennst mich doch! Was kommst du tun? Deine Schulden bezahlen? „. Dataufhin wurde er auf der Polizeiwache eingesperrt und tags darauf gezwungen, das Synagogengrundstück der Stadt zu ‚vermachen’ (überschreiben), welche es ihrerseits Mitte 1939 an eine Privatperson veräußerte. Bis Mitte 1939 hatten – bis auf drei Ausnahmen – alle jüdischen Bewohner Bentheim verlassen bzw. waren in die Emigration gegangen. stolpersteine1Diejenigen, die im benachbarten Holland Zuflucht gesucht hatten, wurden von der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik nach 1940 wieder eingeholt: Über das Sammellager Westerbork wurden die meisten in die Todeslager im besetzten Polen deportiert. Mindestens 17 Bentheimer Juden wurden Opfer der Shoa.
Seit 1985 erinnert ein Gedenkstein in der Synagogenstiege, der früheren Poststiege, an diese traurigen Ereignisse. Und mehr als 20 ‚Stolpersteine‘ überall in der Stadt: kleine Bronzetafeln vor den Häusern der verstorbenen Juden, mit Namen und Datum von Geburt und Tod.

 

 

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